Kleine schnelle Carrera-Flitzer und ein Dremel

Manchmal kommt man zu einem Mini-Hobby wie die Jungfrau zum Kind. Ein Arbeitskollege von mir – bekennender PS-Fetischist und Classic Car Liebhaber – hat sich ein Carrera-Auto gekauft. Genau, die kleinen Autos aka Slot Cars mit Fernbedienung, die wir alle früher zu Weihnachten bekommen haben. Schlechte Idee. Hier beginnt dann eine Geschichte, deren Ausmaß er wohl nicht abschätzen konnte.

 

Carrera Trio

 

Aber von Beginn an. Er lud mich und einen Kollegen zum Carrera fahren ins Raceway in Frankfurt-Zeilsheim ein. Natürlich nicht auf eine 9m Heimbahn, sondern eine richtige Bahn für Männer. Knappe 50m Rundenlänge. Außerdem gibt es dort alles was das Herz begehrt. Hunderte von Autos, Ersatzteile für mehrere Tausende von Carrera Autos und natürlich die Bahn mit Zeitnahmenanlage. “Wouw, wouw, wouw” würde Tim Taylor jetzt sagen.

Begonnen wurde mit gemieteten Carreraautos und -Controllern. Erste Fahrschlachten wurden sich geliefert, Rundenrekorde aufgestellt und gebrochen. Immer unter den Augen einiger Voll- und Halbprofis aka “Jungs” mit richtig schnellen Autos. Wir hatten jedenfalls einen Heidenspaß und für die Folgewoche wurde ein neuer Raceabend verabredet.

Es kam wie es kommen musste. Schon bald hatte jeder sein eigenes Auto. Einige schnell, einige noch schneller und einige Enttäuschungen. Und das Rennteam weitete sich auf knapp potentiell 10 Kollegen aus. Da könnte man doch einen Cup ausfahren! Aber wie sollte man die wahren Fähigkeiten der Rennfahrer erkennen wenn die Autos so unterschiedlich waren? Dann fahren wir alle mit dem gleichen Auto. Die Wahl fiel auf einen BMW M1 von Fly. Beim nächsten Mal standen 6 BMW M1 an der Startaufstellung. Mittendrin mein M1 in der Le Mans 1986 Special Edition (Seriennummer 416). Schwarz, breit, stark.

 

BMW M1

 

Die Rennen wurden härter, die Autos bis an das Maximum getrieben und um Rundenzeiten im 1/10 Bereich gefightet. Einige Autos erlitten dabei erste Schäden und auch 1 Kollateralschaden war zu vermelden. Mein Chef fuhr mir den Spoiler und einen Aussenspiegel ab. Menno.

Aber das Maximum war erreicht. Trotzdem waren einige der örtlichen Profis noch um einiges schneller mit ihren Autos. “Mmmhh, wie machen die das?” fragten wir uns. Also erkundigten wir uns nach dem Geheimnis und wurden in die Geheimnisse der kleinen Flitzer eingeweiht. Reifen mit Klebeband säubern, andere Reifen montieren, andere Achsen, neue Schleifer, Reifen anschleifen, Magnet herausnehmen und viele Tipss mehr prasselten auf uns herab. Die “Jungs” verstehen ihr Geschäft. Das mit dem Klebeband hilft wirklich. Der ganze Abrieb und Dreck auf der Bahn geht weg und wieder sind neue Spitzenzeiten möglich. Richtige Männer wollen auch Autos mit richtigen Reifen. Also war als estes Reifenwechsel angesagt. Jetzt gab es Schluppen mit extra Haftkraft. Und die Rundenzeiten wurden nochmals besser. G…!

Hast’ de rischtisch Werkzeusch kannste rischtisch schaffe! Also gab es erst mal eine Runde Feinmechaniker-Schraubendreher für die kleinen Schrauben zwecks Wartung und Schadensbeseitigung. Und eine 9V Blockbatterie zum Testen in der Box. Bei einzelnen Verzweifelungsanfälle halfen uns dann die Profis vom Raceway. Danke Jungs!

 

Feinmechaniker Schraubendreher

 

Bei einem dieser Raceabende fiel mir dann in der Auslage ein Auto auf, das ich haben musste: Ein 2006er Dodge Charger SRT 8. Quasi ein Jeep in Rennausstattung. Der macht richtig was her, fährt aber wie eine alte Mähre. Während andere Autos wenigstens aus der Kurve fliegen, fällt der Charger einfach um und landet auf dem Dach. Egal, hauptsache er sieht gut aus. Wie es sich für ein Carreramodell gehört hat er Front- und Heckbeleuchtung. Autobestand nun 2 Stück.

 

Dodge Charger

 

Um den Cup auszufahren beschlossen wir keine Modifikationen an den M1 durchzuführen. Gesagt getan. Aber es gab doch soviele Ersatzteile und Tuningartikel, da wäre es doch schade wenn sie unverkauft in der Auslage lägen. Außerdem lagen wir alle vor einer grandiosen Karriere als Rennfahrer, da kommt es einfach auf das richtige Material an.

Die Lösung hieß bei mir: Evolution Audi R10, dem Gewinner von Le Mans 2007.  Flach, schnell und bereit für Tuning wie ein Jeep in Originalversion. Jetzt fällt die 10 Sekunden-Grenze – dachte ich. Autobestand 3 Stück.

 

Audi R10

 

Vor den Lohn stellte der liebe Gott den Schweiß. Reifenwechsel war noch einfach nachdem man die richtige Größe herausgefunden hatte. Auch hier kann ich nur sagen: Danke Jungs! Gleichwohl gilt auch beim R10: The sky is the limit. Mit Hilfe der Jungs fiel meine Wahl dann auf die nächste Modifikation: Eine neue Hinterachse mit schönen Achslagern und Alufelgen. Wouw, wouw, wouw! Alte Achse raus, neue Achse rein. Zumindest dachte ich mir das. Was waren das aber für ganz kleeeeine Schrauben? Jungs, helft mir. Drehmomentschrauben!?! Autsch! Zum Glück gab es auch hierzu eine Lösung im Shop: ein 5 cm grosser Drehmomentschraubendreher!

 

Werkzeusch

 

Jetzt war die neue Achse so gut wie drin. Wieso passt das Chassis nur nicht mehr? Jungs? Och nö, der Plastikrahmen der Chassisbefestigung war zu groß für die neue Achse. Der musste also weg. Das Wort “Dremel” fiel zum ersten Mal. Offensichtlich geht es auch mit der Feile, ist aber mühsames Geschäft. Nach 20min gab ich auf. Und dann fiel für mich der nächste Raceabend ins Wasser bzw. in den Dremel. Dabei wurde alles Unnötige weggeflext.

 

 

Gleich bin ich wieder auf der Strecke, dachte ich Nur wieso gehen die Reifen so schwer zu drehen? Jungs?!? Och nö, Lager muss ausgefeilt werden. Mit Hilfe der Jungs schaffte ich auch das. Als Draufgabe gab es noch ein Bleigewicht auf der Vorderachse zum Ausbalancieren. Noch 20min racen für diesen Abend. Beim nächsten Mal glüht dann richtig der Asphalt. Sofern mich nicht noch eine Modifikation oder eine Kaltverformung eiskalt ausbremst.

Ich werde berichten.

 

P.S.: Die Kollegen kommen schon mit richtigen Garagen und Tragekoffern für die Autos. Ich habe noch eine Edeka “Wir lieben Lebensmittel” Tüte. Das kann so nicht bleiben. Total uncool. Schaun mer mal wie ich bei nächsten Mal auflaufe.

 

Carrera.com: Audi R10

Carrera.com: Dodger Charger

Fly Model Cars: BMW M1


View larger map

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.